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John le Carré: Marionetten

marionetten
Marionetten

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Dieses Buch habe ich von vorablesen.de bekommen. Es erscheint genau heute, an dem Tag, an dem ich meine Rezension veröffentliche, was allerdings reiner Zufall ist.

Zum Inhalt: Melik und Leyla Oktay leben seit vielen Jahren in Deutschland. Big Melik ist Boxer in seinem Viertel, bekannt dafür, dass er gutherzig ist. Die beiden führen ein beschauliches, sehr ruhiges Leben in Hamburg, doch sie leben in der ständigen Angst, dass man sie aus Deutschland in die Türkei abschieben könnte. Sie möchten in Hamburg wohnen bleiben, auch wenn zum Beispiel Meliks Schwester in der Türkei lebt, wo sie nun auch bald heiraten will.
Melik und seine Mutter planen die Reise dorthin, als ihnen plötzlich auffällt, dass sie von einem jungen Mann verfolgt werden. Immer wieder taucht dieser auf der Straße hinter ihnen auf - und zwar nicht nur da, wo Melik und Leyla regelmäßig langgehen. Nein, er scheint immer da zu sein. Und schließlich hält Melik die Ungewissheit nicht mehr aus. Er muss herausfinden, was der Fremde will.
Und genau das stellt sich als ein Punkt heraus, der ihn und seine Mutter einer Gefahr aussetzt: Issa, wie der Fremde sich nennt, ist Tschetschene, illegal nach Deutschland eingereist, weil er aus dem Gefängnis geflohen ist. Starken Misshandlungen scheint er ausgesetzt gewesen zu sein, die Angst vor der Abschiebung und dem Gefängnis sind immens. In Deutschland will Issa Medizin studieren und ein neues Leben beginnen, sagt er.
Doch Melik ist misstrauisch und er hat Angst. Wer ist der Fremde? Und was wird mit ihm und seiner Mutter geschehen, wenn die Polizei herausfindet, dass sie einen illegalen Einwanderer beherbergen, der polizeilich - und zwar nicht nur in Deutschland - gesucht wird?
So beginnt der Roman, in dem bald noch die engagierte junge Anwältin Annabel, die Issa retten möchte, Brue, der Privatbankier, der geheimnisvolle Konten betreut, von denen er am liebsten gar nichts wissen würde, und mehrere Geheimdienste auftauchen. Die Spionage läuft auf Hochtouren, Verstellungen, Geheimnisse beginnen, und man weiß nie, wem man wirklich trauen kann.

Wie mir das Buch gefallen hat: Besonders toll finde ich an diesem Roman, wie le Carré die Stimmung einfängt und die Angst und auch die Hilflosigkeit der Beteiligten darstellt, ohne dass es in actionfilmartige Szenen ausarten würde. Der Roman gewinnt gerade dadurch, dass er eine Geschichte erzählt, von der man glauben kann, dass sie sich tatsächlich irgendwo in Deutschland so abspielen könnte. Das macht einen Teil des Unbehagens aus, den man beim Lesen verspürt.
Le Carré spielt mit den Gefühlen seiner Leser, indem er immer wieder die Perspektive ändert. Hat man Issa gerade noch für einen Terroristen gehalten, hinter dem der Geheimdienst nicht zu Unrecht hinterher ist, wechselt der Roman in die Sicht der Anwältin und man ist empört, wie ein Unschuldiger so ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten kann.
Ein Roman, über den man nachdenkt, gerade wegen der vielen Zwischentöne, die der Autor mit diesem Werk trifft. Mein erstes, aber sicher nicht mein letzter Roman von le Carré.

6.11.08 06:08
 



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